Neubau / Wohnhäuser:


Gartenhaus Roth in MeckelAußenräume InnenräumeZurückgezogenheitDetailsKlappen zum LüftenUmlaufende SitzbankHolzbauAussenansicht

Die Bedeutung von Nebengebäuden

Betrachtet man Straßenräume in Dörfern, so erkennt man, dass sie stark geprägt sind von der Art der Gebäude, deren Größe und Lage zum öffentlichen Raum.

Für alte Dorfkerne sind geschlossene Straßenräume, oft mit engem Querschnitt, typisch. Die Häuser und auch die Nebengebäude sind sowohl in Trauf- als auch in Firststellung zum Straßenraum errichtet, häufig mit sehr geringem Abstand zum Nachbarn oder sogar unmittelbar angebaut. So werden Hofräume mit hoher Aufenthaltsqualität gebildet.
Die Wohnhäuser haben traditionell eine Vorrangstellung. Obwohl die Nebengebäude durch ihre Anzahl und Größe oft dominant sind, wirken sie unaufdringlich und dezent. Mit ihrer zurückhaltenden Präsenz bilden sie die Räume im gewachsenen Ort. Die jeweiligen Anforderungen und Bestimmungen geben den Nebengebäuden ihre Größe, Ausrichtung und Aussehen.
Sie gehen eine Wechselbeziehung mit den Wohnhäusern ein. Gemeinsam prägen sie das dörfliche Erscheinungsbild und schaffen lebenswerte Außenräume.

Mit dem „Haus im Garten“ schufen wir neue Bereiche, einen Inneren für eine Pause vom Alltag, und einen Äußeren, welcher nun umschlossen ist von Wohnhaus, Nebengebäuden und Bepflanzung. Das Gartenhaus steht im Hintergrund, zwischen Obstbäumen, rundet das Anwesen räumlich ab. Es lässt dem Wohnhaus den Vortritt, bildet jedoch durch seine Dimension und Position eine klare Raumkante.
Mit der Materialität und Farbe geht das Gartenhaus mit den Außenanlagen und dem Wohnhaus eine Beziehung ein und verknüpft sich mit dem Ort.

Christine Schwickerath, Diplom-Designerin

Haus im Garten (2013)

Architekt:
RAINER ROTH ARCHITEKT Schmiedestraße 10b, 54636 Meckel www.rainerroth.com


Bauherrin: Christine Schwickerath
Fotos: Christine Schwickerath

Die Veröffentlichung in den Kreis-Nachrichten des Eifelkreises Bitburg-Prüm:
pdfBauen_mit_Holz-Gartenhaus_in_Meckel.pdf

 

Das Projekt wurde beim Baukulturpreis Eifel 2015 in der Kategorie "Nebengebäude" mit eine Auszeichnung prämiert.

 

Hier die Bewertung der Jury:

"An dem vorbildhaft entwickelten „Haus im Garten“ des Architekt Rainer Roth werden Bedeutung, Chancen und Wirkung einer guten Gestaltung auch von untergeordneten Nebengebäuden deutlich.

Das „Haus im Garten“ bildet einen multifunktional nutzbaren Innenraum für Familienfeste, Freizeitaktivitäten, wie auch für eine Pause vom Alltag. Daneben bildet es einen Gartenraum, welcher umschlossen ist von Wohnhaus, Garage und Bepflanzung, der Möglichkeiten für unterschiedlichste freiräumliche Nutzungen eröffnet.

Das Gebäude wurde auf einem Betonsockel positioniert. Mit dem verwendeten und im Innenraum sichtbar gelassenen heimischen Werkstoff Holz und außenseitiger farbiger Holzverkleidung passt es sich vorbildlich in Garten und Natur ein. Die Ausstrahlung der Materialien – gehobeltes Holz, roher Beton und deren minimalistische, zeitgemäße Umsetzung sind sehr überzeugend.

Das Projekt ist unterscheidet sich in seiner Gestaltung, Materialität und räumlichen Anordnung deutlich von der üblichen Massenware aus dem Baumarkt und stellt daher eine beispielhafte Lösung dar."

 

Hier die Erläuterungen des Projektes durch den Architekten:

Von den Missständen
Denkt man an Gartenhäuser, kommt einem sofort die Massenware aus den Baumärkten in den Sinn. Schnell angeliefert, gewöhnlich im Alpenhütten-Look, schnell aufgestellt. Oft addieren sich nach dem Hausbau auf dem verbleibenden Restgrundstück nur die Wünsche nach Terrasse, Rasenfläche und Nebengebäude. Man betrachtet die verschiedenen Bereiche isoliert. Die einzelnen Bauwerke stehen beziehungslos, belanglos nebeneinander, ohne raumbildende Qualität, ohne überlegten Ausdruck, ohne regionalen Bezug, wie Fremdkörper, unpassend. Sie bilden kein Gegenüber, keinen Kontakt, ohne die Kraft Räume zu bilden. Man wählt nur zwischen Typ A, B oder C, fragt noch nach dem Preis und der Pflegeleichtigkeit. Wenn es soviele Gartenhäuser wie Einfamilienhäuser gibt, dann kommen wir auf ca.15 Millionen in Deutschland!


Überzeugung
Ein Gebäude ist prägend für seine Umgebung und auch für den Menschen, deshalb sollte es auf sein Umfeld, das heißt die Nachbarbebauung und Landschaft, reagieren und eine Haltung haben. Das gilt auch für ein eher nebengeordnetes Gebäude wie ein Gartenhaus.


Die Bedeutsamkeit von Nebengebäuden
Unser „Haus im Garten“ steht in einem Eifeldorf. In der Eifel bilden Häuser und Nebengebäude Hofräume mit hoher Aufenthaltsqualität. Die hohen Wände fassen den Außenraum wie Gefäße. Nutzbarer Raum. Von Wand zu Wand. Außenräume – Innenräume. Öffentliches und Privates. Kein Niemandsland dazwischen. Klar ablesbare Räume. Die Wohnhäuser haben traditionell eine Vorrangstellung. Obwohl die Nebengebäude durch ihre Anzahl und Größe oft dominant sind, wirken sie unaufdringlich und dezent. Mit ihrer zurückhaltenden Präsenz geben sie dem gewachsenen Ort Struktur. Die jeweiligen Anforderungen und Bestimmung definieren Größe, Ausrichtung und Aussehen. Sie gehen
eine Wechselbeziehung mit den Wohnhäusern ein. Gemeinsam prägen sie das dörfliche Erscheinungsbild und schaffen lebenswerte Außenräume. Häuser und Nebengebäude harmonieren.


Das Haus im Garten
Mit dem „Haus im Garten“ schufen wir neue Bereiche, einen Inneren für eine Pause vom Alltag, und einen Äußeren, welcher nun umschlossen ist von Wohnhaus, Nebengebäuden und Bepflanzung. Das Gartenhaus steht im Hintergrund, zwischen Obstbäumen rundet das Anwesen räumlich ab. Es lässt dem Wohnhaus den Vortritt, bildet jedoch durch seine Dimension und Position eine klare Raumkante. Mit der Materialität und Farbe geht das Gartenhaus mit den Außenanlagen und dem Wohnhaus eine Beziehung ein und verknüpft sich mit dem Ort.


Material und Konstruktion
Die archaische Wirkung wird durch die unmittelbare Ausstrahlung der Materialien – gehobeltes Holz und rohen Beton erzielt, sowie durch die minimalische Umsetzung der konstruktiven Bedingung - Gliederung der Struktur in „Haut und
Knochen“, „Fassadenplatten und Ständerwerk“. Alle Pfosten, Holzriegel, Deckenbalken, Schwellhölzer, Geländer, Sitzauflagen… haben ein Maß von 6/16 cm. Dreischichtplatten sind auf den Pfosten mit vertikalen Fugen gestoßen und steifen die Konstruktion aus. In der gleichen Ebene liegen Glasscheiben mit einer Ausrichtung nach Südost und Südwest, da das Gartenhaus besonders bei etwas kühlerem Wetter im Sommer, oder auch gelegentlich in der kälteren Jahreszeit genutzt wird. Zur Lüftung dienen öffenbare Fassadenplatten. Der Betonsockel hebt das Gartenhaus über das leicht fallende Grundstück. Er ist 13 Jahre älter und diente als sehr großer Sandkasten. Im Gartenhaus wird nicht gewohnt. Es bietet einen multifunktionalen Raum für Feste, im Sommer wie im Winter, Rückzugsort für Teenager, zum Chillen und auch einmal zum Übernachten mit Freunden. Bei Bedarf wird mit einem Warmluftofen schnell aufgeheizt. Entstanden ist ein zusätzlicher Raum, der oft im Haus fehlt, ein Raum mit vielen Funktionen, für besondere Gelegenheiten, für einen Ausflug aus dem sonst so ausgefüllten Alltag.